Durch schier endlose Weite - Winterüberquerung Totes Gebirge

1986/87 Februar/März Rekonstruktion aus alten Handaufzeichnungen der Tour (genaues Datum nicht mehr eruierbar)
Die Teilnehmer: Walter (Heeresbergführer), Robert, Manfred, Fritz, Frank und ich.
Der Wetterbericht war nicht optimal für unser Unternehmen vorhergesagt, Föhnsturm in den Hochlagen jedoch kein oder kaum Niederschlag - der Urlaub war genommen, die Bahntickets gekauft, der Rucksack mit Kompass, Höhenmesser, mehrere AV-Karten von unserem Zielgebiet, Zeltausrüstung, Essensvorräte (alle Hütten sind Selbstversorgerhütten, zugänglich mit AV-Schlüssel) Kocher, Schlafsack, Wechselkleidung gepackt und dann noch die Skitourenausrüstung und und und....
Mit Anreise- und Abreisetag haben wir 4 Tage mit 3 Übernachtungen geplant.

Tag 1 : ...Anreise mit der Bahn bis Wörschlach bei Liezen - Aufstieg zunächst noch mit geschulterten Tourenski, später Felle angeschnallt und die 12 km und 1200 hm zur Liezener Hütte marschiert.
Die Hütte erreichten wir in der Abenddämmerung, sie war unbewohnt und eiskalt, wir haben etwas eingeheizt und unser Abendessen gekocht und uns bald hingelegt, da der morgige Tag der voraussichtlich anstrengendste Abschnitt werden würde. In der Nacht sind dann noch zwei Bergsteiger gekommen, das haben jedoch nicht mehr alle von uns mitbekommen. 12 km 1200 hm...



Tag 2: ...Abmarsch in der Morgendämmerung Richtung Grimmigtal und Kühboden, der vorhergesagte Föhnsturm nimmt Fahrt auf, die Sicht wird durch die geschlossene graue Bewölkung über uns und die ewig weißen Schneeflächen zunehmend schlechter - wir orientieren uns an den Signalstangen, Felszinnen, Karte, Kompass und Höhenmesser (Smartphone und GPS Navi waren noch nicht erfunden). Unser Heeresbergführer und Guide spurt uns zielgenau zwischen Grubstein und Gamsspitz - in's sagenumwobene Hochplateau. Es geht entlang östlich der Weißen Wand Richtung Hetzkogelsattel, mal bergauf mit Fellen, dann wieder eine Abfahrt bis das Tageslicht fast komplett erloschen ist, mit Stirnlampenunterstützung bauen wir im strengen Wind unsere Zelte auf und bereiten uns auf die Übernachtung mit Suppe und Dosenbrot vor. 23 km 1200 hm...






Tag 3:
...Am nächsten Morgen sehen wir, dass wir noch ca. 800 m zur Pürsinger Hütte gehabt hätten - nach einer kurzen Abfahrt kommen wir dort an und frühstücken erst jetzt im windgeschützten Bereich der Terrasse - der Versuch in der Hütte einzuheizen ging schief, der Kamin war vermutlich zugeschneit und der Rauchabzug funktionierte nicht, daher die Flucht auf die Terrasse.

Die Route führt östlich des Hochkogel vorbei zum verschlossenen Albert Appel Haus. Der Sturm hat jetzt etwas nachgelassen und die Sonne kann man hinter der Wolkenschicht erahnen - wir erreichen noch am Nachmittag die tief eingeschneite  Wildenseehütte. Nachdem wir den Eingang von meterhohen Verwehungen freigeschaufelt haben, richten wir uns in der Hütte ein, trocknen unsere Kleider, Essen jetzt mal richtig und viel und erholen uns bei Ratsch und Retrospektive unserer bisherigen Tour Erlebnisse. 13 km 500 hm...



Tag 4: ...Am letzten Tag müssen wir für unsere Rückreise rechtzeitig am Bahnhof in Bad Ischl sein aber es erwartet uns viel Abfahrtsanteil, das sollte klappen. Der Weg führt uns zwischen Rauchfang und Hohes August Eck und am nördlich Grieskogel vorbei. Vor einer Abfahrt durch steilen Lärchenwald spricht unser Guide eine Lawinenwarnung aus und fährt behutsam als erster in den Hang - und er hatte das richtige Gefühl, er löst kontrolliert eine Lawine aus nach deren Abgang wir gefahrlos abfahren können. Die letzten Höhenmeter tragen wir wieder unsere Skier eine vereiste Forststraße hinab zu unserm letzten Reiseziel Bahnhof Bad Ischl. 22 km 440 hm...



Fazit: Ein tolles Erlebnis in wilder Natur bei dem wir unsere eigene Spur durch's schier endlose Weiß gezogen haben und zwischen Liezener Hütte und Bad Ischl völlig einsam unterwegs waren.
Die Tourdaten zur Strecke ca. 70 km und 3400 hm.

Rekonstruktion der Tour und weitere Fotos auf Komoot



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